Buchempfehlung: Fritz Stern – Das feine Schweigen

Am 18. Mai 2016 verstarb der Historiker Fritz Stern im Alter von 90 Jahren. Diesem Mann und seiner langen wissenschaftlichen Karriere einen weiteren Nachruf zu widmen ist hier weder angebracht noch vonnöten; sein Tod hat in der Presse bereits eine wahre Flut an Retrospektiven auf sein Leben ausgelöst. Deshalb erscheint es mir weitaus angemessener, einen Blick auf seine Publikationen zu werfen, um aus dieser Liste ein Werk herauszugreifen, das es sich zu lesen empfiehlt. Die meisten Geisteswissenschaftler, geschweige denn Historiker, produzieren ihre Texte im Regelfall im Wissen um die vergleichsweise geringe Halbwertszeit ihrer Forschung und ihrer Ergebnisse. Das liegt gewissermaßen in der Natur der Sache. Die große Mehrheit aller Historiker verbringt ihre Karriere in diesem Wissen um die Vergänglichkeit der eigenen Arbeit und in dem Bewusstsein, mit großer Wahrscheinlichkeit nie zu der privilegierten kleinen Gruppe ihrer Zunft zu gehören, die sogenannte Standardwerke schreibt. Bei Fritz Stern war das anders. Bücher wie seine Dissertation Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland zählen nicht nur zu diesen Standardwerken, sondern sein zentrales Thema, das er in diesem Buch zum ersten Mal bearbeitete, hat dazu geführt, dass sein Werk an Aktualität nicht verloren, sondern eher gewonnen hat, wenn auch sicherlich auf eine andere Weise als Stern selbst es sich gewünscht hätte. Buchempfehlung: Fritz Stern – Das feine Schweigen weiterlesen

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Das Ende vom Lied – Wie die EU Fluchtursachen im Sudan und Eritrea bekämpft

Mitte April berichtete das ARD-Magazin Monitor von geheimen Beratungen in Brüssel über eine mögliche engere Zusammenarbeit mit afrikanischen Diktatoren und autoritären Regimen in Nordafrika in der Flüchtlingspolitik. Von der breiten Öffentlichkeit sowie von der Presse blieb diese Nachricht weitgehend unbeachtet. Nun berichtet Report Mainz nach eigenen Recherchen davon, dass sich diese Überlegungen in einem EU-Entwicklungshilfeprojekt niedergeschlagen haben, das den Grenzschutz zwischen Sudan und Eritrea verbessern soll. Das Ende vom Lied – Wie die EU Fluchtursachen im Sudan und Eritrea bekämpft weiterlesen

„La mancanza della volontà politica“

Mussie Zerai ist ein direkter Mann. Wer gekommen ist und mit dem moralisierenden und damit auch leicht zu kategorisierenden Vortrag gerechnet hat, den man von einem Pfarrer erwarten möchte, der wird enttäuscht werden. Zerai konfrontiert sein Publikum mit den unangenehmen Wahrheiten und den leider nur allzu logischen Realitäten und Tatsachen der europäischen Flüchtlingspolitik im Mittelmeer. Alleine in den ersten Monaten diesen Jahres seien dort bereits 1350 Menschen gestorben, erzählt er, und wer dafür die Verantwortung trage, darauf hat Zerai eine deutliche Antwort. Diese Toten gehen „auf die Rechnung einer verlogenen, europäischen Politik, die genauso flüssig ist wie das Mittelmeer.“ „La mancanza della volontà politica“ weiterlesen