Die normative Kraft des Faktischen – Gefühle statt Tatsachen

Der vielleicht aussagekräftigste Moment des Bundesparteitags der amerikanischen  Republikaner im Juli beinhaltete erstaunlicherweise nicht Donald Trump, sondern den ehemaligen Präsidenten des Repräsentantenhauses und rechts-außen Politiker Newt Gingrich. 2012 war Gingrich selbst als Kandidat in die Vorwahlen gestartet, wenn auch mit geringem Erfolg, und hatte sich dieses Jahr besonders dadurch hervorgetan, dass er Trump wochenlang öffentlich umschmeichelte, offensichtlich in der Hoffnung, dessen Vizepräsidentschaftskandidat zu werden. Gingrich ist in jeder Hinsicht ein Kandidat vom rechten Rand des rechten Rands der republikanischen Partei, auch wenn sich seine Positionen gewöhnlich nicht nach Überzeugungen, sondern allein nach der Richtung drehen, in die die Meinung der ungebildeten, extrem rechten Wählerschaft jeweils weht. Die normative Kraft des Faktischen – Gefühle statt Tatsachen weiterlesen

Der neue Kulturalismus? – Warum Deutschland nicht Deutschland bleiben muss

Besucht man dieser Tage die IKEA-Filiale in Sindelfingen bei Stuttgart, dann wird sich einem folgendes Bild darbieten: Auf dem Weg vom Parkplatz zum Eingang des schwedischen Möbelhauses erblickt der Besucher in nicht allzu weiter Ferne das Minarett der örtlichen Moschee. Wie in vielen deutschen Städten vergleichbarer Größe befindet sich diese im Industriegebiet und folgt der üblichen Baukastenarchitektur. Für den verängstigten deutschen Wutbürger ist dieser Anblick kulturell natürlich bereits höchst bedenklich. Aber keine Sorge, das Stuttgarter Hofbräu eilt zur Hilfe. Direkt gegenüber von IKEA hängt ein großes Werbeplakat der schwäbischen Brauerei, das zwei junge, attraktive Männer und eine noch atrraktivere junge Frau in Lederhose und mit Bier in der Hand vor dem Stuttgarter Schloss zeigt. Es handelt sich dabei um eine Werbung, die speziell auf das diesjährige Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen zugeschnitten ist; ob es als Relikt des Frühjahrs noch immer hängt oder zum allgemeingültigen Marketingsinstrument umfunktioniert wurde, das ist nicht ersichtlich. Ungeachtet dessen muss ebenjenem Wutbürger bei diesem Anblick das Herz aufgehen, denn das, was dort gezeigt wird, das ist doch nicht nur typisch schwäbisch, sondern auch so richtig deutsch. Ein größeres Klischee als Lederhose und Bier könnte einem doch gar nicht einfallen. Der neue Kulturalismus? – Warum Deutschland nicht Deutschland bleiben muss weiterlesen